Direkt zum Inhalt springen
wrackangeln

Seekrankheit

Bei einer solchen See kann man schon mal seekrank werden.
Bei einer solchen See kann man schon mal seekrank werden. Fotos: Hans-Joachim Franzen

Typische Anzeichen bei leichter Seekrankheit

  • Blässe,
  • auffällige Schweigsamkeit,
  • Frösteln oder Hitzewallungen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Aufstoßen,
  • Müdigkeit,
  • Konzentrationsschwäche,
  • Deprimiert sein,
  • Kopfschmerzen,
  • Druckgefühl hinter der Stirn

 

Mittelschwere Seekrankheit

  • Zittern,
  • Schwindel,
  • Druckgefühl im Oberbauch,
  • Würgereiz,
  • Erbrechen,
  • Erschlafen,
  • Gleichgültigkeit

 

Schwere Seekrankheit

  • Anhaltendes Erbrechen,
  • ausgeprägte Schwäche,
  • Entschlußunfähigkeit,
  • Apathie,
  • Kreislaufkollaps durch Flüssigkeits- und Elektrolytverlust

Leichte bis mittlerer Seekrankheit ist auf See die Häufigste

Rauhe See - kein Grund seekrank zu werden. Vor dem Törn: Ausschlafen, Tabletten gegen Seekrankheit rechtzeitig nehmen und die Bewegungen des Schiffes bewußt mitmachen.
Rauhe See - kein Grund seekrank zu werden. Vor dem Törn: Ausschlafen, Tabletten gegen Seekrankheit rechtzeitig nehmen und die Bewegungen des Schiffes bewußt mitmachen.

Hier kann auch der Betroffene selbst noch viel zu seiner Genesung beitragen:

  • Betroffenen möglichst beschäftigen!!
  • Den Horizont in Lee ansehen.
  • Dabei sich in Richtung der stärksten Schiffsbewegungen stzen oder halten, bei Rollbewegung also quer zur Schiffsachse, beim Stampfen nach vorne gucken und die Wellen beobachten.
  • Allgemein die Schiffmitte möglichst tief bevorzugen.
  • leichtes bis mittelstarkes Medikament geben
  • gegebenenfalls zur Kreislaufstabilisierung ein blutdrucksteigerndes Mittel geben (Effortil-Tropfen)
  • Seekranken beobachten und regelmäßig ansprechen
  • Zwieback, Schwedenbrödli oder Müsliriegel mit Tee beruhigen

 

Bei schwerster Seekrankheit:

  • Es sollte der Törn abgebrochen werden oder der Betroffene muß intensiv betreut werden.
  • Erkrankten vom Wachdienst befreien,
  • in die Kajüte bringen
  • starke Medikamente verabreichen (keine Tabletten)
  • mittschiffs zugedeckt in die Leekoje legen, besser ist eine Hängematte
  • Tüten oder Eimer neben der Koje bereitstellen
  • Flüssigkeit mit etwas Zucker und Salz verabreichen (auf einen Liter Tee: 1 Teelöffel Salz, 2 Teelöffel Zucker und 2 Teelöffel Traubenzucker, auch als "Elotrans" erhältlich)
  • Bei starker Angst Beruhigungsmittel geben
  • von der Freiwache beobachten und betreuen lassen
  • besteht Selbstmordgefahr (versuchtes Über-Bord-Springen), den Kranken sichern, ggf. festbinden, 1 Ampulle Valium (10 mg) intramuskulär geben bei Kreislaufkollaps intravenös sterile isotone 0,9%ige Kochsalzlösung infundieren

Wer selber´ein Boot oder Schiff führt, sollte kein Transcop- oder Scopoderm-TTS-Pflaster oder ähnliche Medikamente nehmen. Die häufigen Nebenwirkungen wie Sehstörungen und Müdigkeit sind schlecht mit einer verantwortlichen Schiffsführung zu vereinbaren. Es sollte bei jedem Törn ein geeigneter Ersatz-Kapitän eingeplant werden, der die Schiffsführung im Erkrankungsfall vollständig übernehmen kann.

 

Wenn Sie im Hafen nach einem Törn das Gefühl haben, daß der Boden unter Ihren Füßen schwankt. Nehmen Sie es als gutes Zeichen. Die Franzosen haben daraus allerdings eine Krankheit gemacht haben: das "Mal de debarquement syndrome" die Krankheit nach Verlassen des Schiffes.

 

Also: schnell wieder auf´s Schiff. Selfmanagement kontra Seekrankheit Immer noch werden die psychischen Faktoren der Seekrankheit von Schulmedizinern als zweitrangige Ursachen abgetan. Neurophysiologisch betrachtet lassen sich Seekrankheit, Streß und Angst jedoch kaum voneinander trennen.

 

Nicht die Sinnesreize an sich können als Ursache für die Seekrankheit angesehen werden, sondern erst ihre individuelle Bewertung in einem Teil- abschnitt des Gehirns drückt ihnen den Stempel als Stressoren auf, die den organischen Anpassungsprozeß stören. Unter den ungewöhnlichen und oftmals rauhen Bedingungen auf See kann die Streß-Grenze schnell erreicht werden.

 

Bei der Marine und in der Raumfahrt werden seit längerer Zeit psychologische Verfahren gegen Bewegungsstreß mit einer Erfolgsquote von 75 - 80 % eingesetzt, die noch zwei Jahre nach Trainingsabschluß nachweisbar sind - und das bei Teilnehmern mit einer Resistenz gegen medikamentöse Behandlung!

 

Im Gegensatz zu Medikamenten wirken diese Trainings nicht dämpfend auf das Zentralnervensystem, sondern fördern durch aktive Maßnahmen den Anpassungsprozeß an bisher ungewohnte Bewegungsreize. Sicherheitsgefährdende Medikamentnebenwirkungen wie Müdigkeit und allgemeine Leistungsminderung werden so vermieden.

 

Der Kern des Konzepts besteht aus vier Grundpfeilern: 

  1. Die Vermittlung von Hintergrundinformationen, aufgrund derer die Entwicklung der Seekrankheit sowie die Wirkungsweise aktiver und passiver Behandlungsmaßnahmen eingeschätzt werden kann. 
  2. Eine aufmerksame Selbstbeobachtung (Self-Monitoring) hinsichtlich der Seekrankheitsauslöser und -Verstärker, persönlicher Denk- und Handlungsmuster. 
  3. Anwendung von individuell zugeschnittenen psychologischen Bewältigungsmaßnahmen, um die Erregung zu senken, die Widerstandkraft und innere Haltung zu stärken sowie Ängste und Streß abzubauen. 
  4. Rückblickende Beurteilung der gemeisterten Situation: Mit welchen Maßnahmen bin ich gut gefahren?
  5. Was ist noch verbesserungswürdig? Diplom-Psychologin Gert/ Claußen ist aktive Hochseeseglerin und Buchautorin. Thema Seifmanagement "Seekrankheit aktiv bewältigen", Info: Gerti Claußen, 29640 Schneverdingen.