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wrackangeln

Malediven-Reise Teil 4

Nach knapp 40 Minuten Drill (Andreas ist schon sichtlich fertig) kommt unser erster „richtiger“ Kracher ins Boot. GT, Gewicht deutlich über 30 Kilogramm. Petri Heil pur, auch wenn das Gesicht von Andy bei den Fotos nicht besonders erfreut aussieht. Innerlich hat er sich sicher gefreut wie ein Hähnchenschenkel, da bin ich mir relativ sicher. Aber so ein Kracher ist auch und gerade körperlich schon eine echte Belastungsprobe.

Ach ja…..noch während Andreas am drillen war habe auch ich einen Wurf in Richtung der untergehenden Sonne gemacht. Als der Popper aufschlägt beginnt er durch den Seitenwind zu surfen. Plötzlich öffnet sich genau dort wo er sich (noch) befindet der Indische Ozean und ein riesiger Fisch greift ihn sich mit einem lauten PLOPP. Die Bremse schreit um Hilfe, Ibrahim grinst mal wieder, Kommentar überflüssig „ Very Big One……“

 

Auch ich erlebe nun das was Andy erleben durfte, auch ich gehe spazieren zwischen Himmel und Hölle. 250 m sind leicht draußen bis der Fisch endlich steht. Schwer ist es, sie ihm wieder abzunehmen und wieder hereinzubekommen. 50 m rein,70 m raus. 70 m rein,100 m raus. Das ganze ist wie ein überdimensionales Jojo, nur viel,viel schwerer.

 

Nach gut 20 Minuten werden aber die fluchten kürzer, mehr und mehr Schnur findet sich auf der Rolle wieder. Ganz kurz hinter dem Boot noch einmal richtig Vollgas, noch einmal 50 m senkrecht in die Tiefe. Ihn von dort unten wieder hoch zu holen, das kostet nicht nur mich unendlich viel Kraft. Mit einem bereits leichten brennen in den Oberarmen bekomme ich auch das noch hin, der GT mit ebenfalls rund 30 Kilo bleibt dieses mal nur 2. Sieger. Nach dem üblichen Foto wird auch er (wie im übrigen 90% aller von uns gefangenen GT) wieder in sein nasses Element entlassen.

Nach rund 4 Stunden Extremspinnfischen lassen wir es an diesem Tage dann auch gut sein, allen Anglern sieht man zum ersten mal richtig an das diese Fischerei fast etwas von Schwerstarbeit hat. In den 4 Stunden wurden übrigens über 35 Fische mit einem Durchschnittsgewicht von etwa 15 Kilo gefangen. Nicht besonders schwer denkt ihr?? Na ja…..für einen Karpfen sicherlich nicht, bei diesen Fischen spürt man aber wohl jedes Kilo doppelt und dreifach.

 

Auf der Fahrt in Richtung Heimathafen sind wir wieder am Schleppen, Sven möchte gerne seine neuen Tieftauchbleche testen. Während wir am montieren sind ist plötzlich Alarm auf dem Vordeck, Kai hat einen Schwarm Seevögel ausgemacht die sehr deutlich am jagen sind. Wo sie sind, sind auch raubende Fische nicht weit. Genau so ist es, beim näher kommen sehen wir die kleine Fische auf der Flucht aus dem Wasser springen.

Die Fische vor denen sie flüchten, YELLOWFINS !! Keine Riesen dabei, aber Thun ist Thun. Also Rapalas dran, Ibrahim steuert das Dhoni gezielt so das die Wobbler genau durch den Schwarm laufen. Beim ersten Mal ignorieren die Fische die Köder und tauchen ab, kommen aber schon nach ein paar Augenblicken wieder nach oben um weiter zu jagen. Also wieder die Wobbler in Richtung des Schwarms auf Kurs gebracht, dieses mal aber ein wenig weiter davor.

 

Plötzlich ratscht es an einer Rute, ratsch an 2, ratsch an 3+4….. 4x Thun im Drill, auch einmal sehr interessan. Leider sind die Fische jeweils nur etwa 3-4 Kilo schwer, aber immerhin unsere ersten YFT auf der Reise. 2 weitere Anschleppversuche bleiben unbeachtet, und so beschließen wir die Schule ziehen zu lassen.

 

Sven will nun endlich seine neuen Tiefenschleppbleche testen, Rapalas werden von den teilen in etwa 10 m Wassertiefe gebracht. Mit erfolg, wir können noch kurz hintereinander 2 schöne Wahoo fangen und haben noch weitere bisse. Die riesige Delfinschule die wir auf dem weiteren Heimweg treffen ist wohl so etwas wie der Tagesbonus. Da der Wind zu diesem Zeitpunkt am einschlafen ist hoffen wir darauf, das unser Wetterpech zu Ende geht.

 

Wir treffen im Hafen ein, und nach dem Essen dürfen wir die Insel gemeinsam mit Ibrahim auch betreten. Er führt uns zum neuesten Kind der Safaribootvermietung, ein echter Leckerbissen der noch in der Werft steht. Über 25 m lang, 7 m breit, in traditioneller Handarbeit und ganz aus Holz gebaut. Reichlich Platz für bis zu 16 Angler+ Begleitungen. Ein sehr großes Vordeck sowie ein weiteres Sonnendeck bieten fantastische Möglichkeiten um auch mit einer größeren Gruppe ein tolles Fischen zu erleben. Stapellauf soll noch Mitte diesen Jahres sein, wir sind schon gespannt wie das Dhoni dann fertig aussehen wird.

Die nächsten Tage dann Enttäuschung, der Wind ist wieder da, sehr ungewöhnlich, viel heftiger und ungünstiger als normal zu dieser Zeit auf den Malediven üblich.

 

Die folgenden Tage verbringen wir also meistens mit Poppern an den Innenriffs, auf den Strecken dazwischen schleppen wir (was leider innerhalb dieses Atolls sehr wenig erfolg verspricht da die kleineren Riffe fast vollständig fehlen und der Sandgrund dominiert).

 

Für einen wahrhaft erhöhten Puls sorgt in dieser Zeit lediglich ein Biss: INNERHALB des Atolls und auf einen WOBBLER steigt ein dicker Sailfish ein.

Fünf Ruten standen ihm zur Auswahl, 1x50er, 3x 30er und 1x die 20e. Alle Angler wissen nun wohl schon ganz genau auf welche Rute der Fisch eingestiegen ist?

 

Ja, ganz genau.auf die 20er. 1000 Meter neue Schnur (Suffix) habe ich vor der Reise aufgespult. Das hat etwa 1 Stunde gedauert. Der Sail hat nun innerhalb von gerade mal 30 Sekunden schon weit über die Hälfte in seiner ersten Flucht von der Rolle gefetzt, als er zur zweiten ansetzt sind es noch mal gut 200 Meter. Da das Dhoni in seiner Wendigkeit einem Sportboot deutlich unterlegen ist, wir dem Fisch daher nicht folgen können und schon der Spulenkern sichtbar wird gehe ich mit der eingestellten Bremskraft einen Tick weiter nach oben.

 

Noch mal 100 m nimmt der Fisch mit, dann wird die Belastung dem Material zu viel und es kommt was kommen muss, Schnurbruch. Es ist in solchen Augenblicken wie immer, einerseits der Gedanke „hättest du ihn doch weiter laufen lassen“ auf der anderen Seite dann der Gedanke „wie weit denn noch."

 

Ich bin mir sicher das schon jeder der einmal in der gleichen Situation war, genau diese Gedanken erlebt und durchlebt hat. Ich bin mir im Nachhinein sicher, dass auch dieses mal wieder die erste (Bauch)Reaktion die richtige war. Wenn du nur noch 50 Meter Schnur auf der Rolle hast gehen dir einfach die besseren Möglichkeiten aus, also Bremse zu und hoffen.

 

Genau so gut hätte der Fisch nämlich einen der Wobbler am schwereren Gerät nehmen können, er hätte seine Flucht früher beenden können , das Material hätte doch noch ein wenig mehr aushalten können oder , oder ,oder…….. Das ist Fischen. Der Fisch spielt immer nur nach SEINEN Regeln. Du akzeptierst sie, trickst ihn dann irgendwie aus und fängst ihn. Manchmal trickst halt auch er dich aus und du verlierst ihn.

 

Die weiteren Tage vergehen nun wie im Flug, Poppern, Schleppfischen, Beachfishing, nächtliches Bottomfishing (alles innerhalb des Atolls) wechseln sich ab. Fisch wird eigentlich immer gefangen, so haben alle ihren Spaß (und Muskelkater). Irgendwann dazwischen treffen wir noch andere Angler im Hafen, Deutsche und ein Boot mit sehr freundlichen Japanern. Ihnen geben wir zwei unserer selbstgebauten Popper als Gastgeschenke mit, wahre Giganten mit 300 Gramm. Die Kollegen freuen sich sehr und wir bekommen von ihnen zwei ihrer Köder geschenkt. Diese sehen aus wie eine Mischung aus ET und Handy, ulkig und zum Fischen eigentlich zu schade.

 

Die Japaner fragen noch ob unsere Riesenköder denn wirklich zum Werfen gedacht seien was wir, vielleicht etwas voreilig, mit ja beantworten. Getestet hatten wir das leider im Vorfeld selbst noch nicht, das Gerät unserer Freunde aus dem Fernen Osten schien uns aber für die Riesenköder sehr gut geeignet zu sein.

 

Entweder werden wir nun in Japan gesucht weil die Ruten die Köder doch nicht verkraften haben, weil man uns das Patent dafür abkaufen möchte oder einfach weil sie die dicksten GT seit Menschengedenken damit gefangen haben.

 

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