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wrackangeln

Angeln im Languedoc-Roussillon - der Golf von Lion

Franzose mit schöner Makrele. Fotos: Hans-Joachim Franzen
Franzose mit schöner Makrele. Fotos: Hans-Joachim Franzen

Das Languedoc-Roussillon ist eine französische Region am Mittelmeer, die zwischen der spanischen Grenze und der Camarque liegt. Die Möglichkeiten für Petrijünger sind groß, egal ob man Big Game Fan ist oder vom Ufer Meerbrassen, vom Seekajak Wolfsbarsch oder vom Angelkutter Makrele fangen möchte...

Das Meer vor dem Languedoc-Roussillon wird Golf von Lion genannt. Der Golf von Lion, auch Löwengolf genannt, (was aber falsch ist, da der Name von einer keltischen Gottheit stammt) umfasst einen kleinen Teil Nordspaniens – bis Port de Selva - und reicht im Osten bis zur Stadt Toulon.

Außerdem wichtig zu wissen: Angeln im Languedoc-Roussillon bzw. Golf von Lion hat für ausländische Angler einen Vorteil: Man braucht im Gegensatz zu Spanien keinen Erlaubnisschein, Zeit raubendes suchen nach der passenden Behörde und Bank entfällt.

 

 

Thema Meeresangeln

Familie auf einem privaten Angelboot
Familie auf einem privaten Angelboot

Das Mittelmeer ist bekanntlich ein ziemlich leergefischten Meer - zumindest aus kommerzieller Hinsicht, aber, überall dort wo die großen Fischereischiffe nicht hin dürfen, gibt es Fisch, so dass dort die Einheimische und Urlauber gerne ihre Angel auswerfen. Außerdem sind viele Flachwassergebiet an der Küste streng geschützt, da sie Kinderstuben für viele Fischarten sind, was für die Zukunft hoffen lässt.

Thema Ebbe und Flut: Grundsätzlich sollte man wissen, dass die Gezeiten am Mittelmeer nur sehr schwach ausgeprägt sind und aus dem Grund bei der Planung von Angeltouren so gut wie keine Rolle spielen. Um erfolgreich im Languedoc-Roussillon bzw. im Golf von Lyon zu angeln, sollte man allerdings die erfolgversprechenden Wind- und Strömungsverhältnisse kennen.



Sonne, Meer und Fisch - was will man mehr?
Sonne, Meer und Fisch - was will man mehr?

Prinzipiell kann man sich ein wenig am Angeln in der Ostsee orientieren. In der Ostsee wie auch am Mittelmeer sind, ähnlich wie beim Angeln im Süßwasser, die Morgen- und Abendstunden die erfolgreichsten, zumindest im Sommerhalbjahr und wenn man vom Ufer auf Grundfische angelt.

Außerdem ist starker auflandiger Wind günstig, selbst tagsüber, da die Fische dann in Ufernähe nach Nahrung suchen und zudem Schwimmer nicht ins Wasser dürfen (In Frankreich ist man in der Hinsicht, zu Recht, sehr streng, trotzdem ertrinken jedes Jahr dutzende unvorsichtige Urlauber).

Wer ein Boot besitzt und Raubfische an den Haken bekommen möchte, kann etwas später losziehen, da viele Raubfische im Mittelmeer auf Sicht jagen und eine gewissen Helligkeit zum Jagderfolg benötigen.

Brandungsangler
Brandungsangler

Wer angelt, um hinterher etwas auf den Grill oder in die Pfanne legen zu können, der sollte an einer der zahlreichen Angeltouren, französisch "Peche en Mer", teilnehmen.

Die Kutter liegen in allen größeren Urlaubsorten. Buchen kann man vor Ort. Und, keine Angst, auch wer kein Französisch kann, kommt mit "Händen und Füßen" und etwas Englisch irgendwie hin, wie der Autor selber zweimal erlebte. Zudem kann man auch telefonisch buchen.

An Bord selber geht es locker zu. Bei einigen Schiffen bringt die Mehrzahl der Teilnehmer keine Angelausrüstung mit an Bord, sondern leiht sich welche. Bei Nachbarkuttern kann es wiederum sein, dass viele Petrijünger ihr eigenes Equipment mitbringen.

Wie wird vom Angelkutter gefischt?

Hochseeangelboot auf der Aude
Hochseeangelboot auf der Aude

Wer mit Paternostersystemen angeln möchte, sollte mit einer mittelschweren Rute fischen, z.B. einer leichten Pilkruten mit etwa 100 Gramm Wurfgewicht (das wäre ideal), aber auch schwere Karpfenruten und stabile Hecht- und Grundruten sind möglich. Die Länge der Rute kann zwischen 2.40 Meter und 3,30 Meter variieren.

Dazu passt eine mittlere Stationär- oder Multirolle mit 0,35mm bis 0,40 mm monofiler Schnur oder entsprechende geflochtene. Am Ende der Schnur kommt ein Wirbel, ein Makrelenpaternoster - Heringspaternoster geht auch - und zum Schluss ein Bleigewicht zwischen 60 und 100 Gramm.

Geangelt wird meist auf Makrele, aber da die Schiffe nicht überfüllt sind, zumindest im Juli, geht es recht entspannt zu. Da es meist rein französische "Veranstaltungen" zu sein scheinen, fällt man als Ausländer schon auf, aber die Teilnehmer sind sehr freundlich und haben den Autor beispielsweise bei seiner ersten Tour mit ihrem privaten Zubehör versorgt, damit er mit passenden Montagen und Gewichten angeln konnte: Supernett!

 

Pose oder Paternoster

Angelkatamaran
Angelkatamaran

Übrigens, die Angelkutter in Frankreich sind keine ehemaligen Fischkutter, sondern meist große Motorkatamarane oder ähnliche Schiffe oder große Boote. Dies bedeutet natürlich auch, dass hier weniger Angler mitfahren können als beispielsweise bei den Angelkuttern in Deutschland oder Hollands. Die Angeltouren sind für die Schiffsbesitzer nur ein Zubrot, da in den frühen Morgenstunden die Schiffe nicht benötigt werden. Hafen- oder Küstenrundfahrten finden frühestens ab 11.00 Uhr statt, vorher schlafen "normale" Urlauber noch, während Angler bekanntlich bereit sind, um Viertel vor Sechs oder Viertel vor Sieben am Hafen zu stehen.

Als ich die erste Tour mitmachte, sah ich einige Angler mit der Pose angeln, etwas was man von Meeresangeltouren in Nordeuropa her weniger kennt. Auch bei anderen Touren sah ich immer einige Angler mit Posenmontagen.

Meeresangler im Morgengrauen vor Gruissan
Meeresangler im Morgengrauen vor Gruissan

Ansonsten waren Makrelenpaternoser wie bei uns üblich, mit einem gewissen Unterschied: Die Haken wurden immer mit Fischstücken versehen. Dabei werden von den Kutterbesitzern gegen einen kleinen Obolus tiefgefrorene Sardinen zur Verfügung gestellt. Diese tauen recht schnell auf, so dass man sie verwenden kann, sobald man an der Angelstelle angekommen ist. Mit dieser Methode fängt man seine Makrelen, aber oft sind es kleinere. Große Makrelen sind in den Schwärmen rund ums Boot aber auch dabei, wenn man Glück hat erwischt man einige mit kleinen Pilkern o.ä...

Wenn die Fische vorsichtig beißen, dann kommt die Stunde der Posenangler. Eine Gleitpose zwischen 15 und 30 Gramm Tragkraft kommt auf die Hauptschnur, davor ein beliebiger Schnurstopper, Perle und einen Meter weiter ein entsprechende Bleigewicht (länglich, als Durchlaufblei). Dann wieder eine kleine Perle, Wirbel und ein Vorfach von 90 Zentimeter. Ans Ende der Schnur kommt ein passender Haken, 2er,4er oder 6er, das muss man ausprobieren.

 

Bootsangler im Golf von Lion
Bootsangler im Golf von Lion

Als Köder nehmen auch die Posenangler meist Sardinenstücke. Einheimische Spezies bringen sich manchmal Minifische mit, die auch dann noch Makrelen an den Haken bringen, wenn ansonsten nichts mehr geht. Die Minifische gibt es an jedem besser sortierten Fischstand. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann ja noch Muscheln, Garnelen oder Calamaris mit an Bord nehmen, allerdings am Besten in einer Kühltasche mit Eis oder gefrorenen Kühlelementen.

Wer mit Pose fischt, kommt auch mit einer leichteren Rute zurecht, da ja nur ein Fisch an den Haken gehen kann und man ein leichteres Blei verwendet. Neben Makrelen kann auch mal ein Hornhecht oder Stöcker (Pferdemakrele) beißen und wer seine Montage umstellt und konsequent am Grund angelt, der kann auch kleinere Meerbrassen, Meerbarben, Petermännchen und andere Fischarten an den Haken bekommen.

Seekajak, Little Big Game und Big Game Fishing

Neben Kutterangeln und Brandungsfischen (Molenfischen) ist auch am Mittelmeer das Angeln vom Seekajak inzwischen ein beliebter Sport: Je nach Geschmack kann man treibend oder schleppend fischen. Neben Wobblern wird auch viel mit totem Köderfisch, meist Sardine geangelt. Die Kunst dabei ist das richtige Anködern: Ein großer Einzelhaken durch der Maul und zwei Drillinge in die Flanken. Der Köderfisch muss sich frei bewegen können, darf sich aber keinesfalls um die eigene Achse drehen.

An den Küsten des Golf von Lion ist auch Little Big Game und Big Game Fishing möglich. Am Besten wendet man sich im Vorfeld der Reise an einen der Angelclubs, die es in jeder größeren Hafenstadt gibt. Einheimische Angler erbeuten regelmäßig diverse Thunarten, Schwertfische, Königsmakrele oder Dolphins. Ohne passendes Boot geht hier gar nichts, allerdings gibt es auf der Welt für Hochseeangeln auf die ganz großen Räuber bessere Reviere.

Urlaub im Languedoc-Roussillon - Infos für die ganze Familie

Es gibt eine große Vielzahl von Urlaubsregionen in Europa und seinen Nachbarländern, das Languedoc-Roussillon von dem hier die Rede ist, gehört leider nicht zu den Bekanntesten. Aber, warum soll man ausgerechnet im Languedoc-Roussillon Urlaub machen, was sind die Vorteile, was die möglichen Nachteile? - Aber vorneweg, wo liegt das Languedoc-Roussillon überhaupt? Dass die Region in Frankreich liegt, dürften vielen Deutschen bekannt sein. Genau gesagt: das Languedoc-Roussillon findet sich im Süden Frankreichs zwischen der Provence und Spanien. Urlaub im Languedoc-Roussillon ist also meistens Urlaub am Mittelmeer, Urlaub in Urlaubsorten wie Sète, Cap d'Agde, Grusan, Argelès-sur-Mer oder Collioure.

 

Zurück zur Frage warum man im Languedoc-Roussillon Urlaub machen soll. Im Gegensatz zu den Urlaubsregionen auf der Iberischen Halbinsel, in der Türkei oder Ägypten finden sich hier keine großen Hotelburgen und vor allem keine Hochhäuser, die das Küstenbild verschandeln. Das bedeutet zudem, dass das Bettenangebot begrenzt ist und diese außerdem in den Sommermonaten zum guten Teil von Franzosen belegt sind. So wundert es wenig, dass in vielen Orten an der französischen Mittelmeerküste vergleichsweise wenig Ausländer zu finden sind, es gibt schlichtweg keinen Platz für sie. Und dies ist ein zweiter sehr wichtiger Punkt, der für Urlaub im Languedoc-Roussillon spricht: die Authentizität.

 

Hier an der Küste erlebt man Urlaub in Frankreich, unter Franzosen. Wie der Autor dieses Jahr selbst erlebte, unter den Urlaubern waren vielleicht fünf Prozent Ausländer, einige Engländer, Deutsche und Holländer, wobei die Ausländerquote in "angesagten" - und damit teuren - Urlaubsorten, höher ausfallen kann, schließlich hat so mancher Besitzer einer Segel- oder Motoryacht hier einen Bootsliegeplatz und oft auch noch eine Ferienwohnung.

 

Aber auch Otto-Normalverbraucher findet hier ein passendes Urlaubsquartier, wenn sie oder er rechtzeitig buchen. Vor allem der August ist bei Franzosen sehr begehrt und auch der Juli ist schnell ausgebucht. Der Gerechtigkeit halber sollte man erwähnen, dass nur in diesen beiden Monaten in den Urlaubsorten am Mittelmeer zahlreiche Konzerte, Animations- und Sportprogramme für Kinder und Erwachsene stattfinden. Im Mai, Juni und September ist deutlich weniger "los", dann muss man sich abends "selber beschäftigen". Zu den oben genannten Events sorgen noch Zirkusvorführungen, Wochenmärkte, Trödelmärkte, Nachtmärkte usw. für Kurzweil. Und in den Häfen gibt es Gelegenheiten für Rundfahrten oder Angeltouren (Peche en mer).

 

Aber auch im Norden der Region spielt Wasser eine große Rolle, z.B. in der Tarnschlucht. Wer durch das wunderschöne Tal der Tarn fährt, der kann die Angebote der Kajak- und Kanuanbieter nicht übersehen. Und die Angebote werden viel genutzt, sowohl von Eltern mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln und vor allem von Jugendgruppen aus ganz Europa. Unterkünfte stehen in ausreichendem Maße zur Verfügung und auch an Geschäften und Restaurants fehlt es in den Dörfern entlang des Flusses nicht. Übrigens, die Anbieter verleihen nicht nur die Kajaks, sondern sorgen auch für den Transport flussaufwärts zu den Ausgangspunkten der Touren.

Ein weiterer Punkt, der für Urlaub im Languedoc-Roussillon spricht, ist die reiche Kultur der Region. Neben historischen Städten wie Montpelier, Narbonne, Nimes oder Perpignan sind es vor allem die Burgen, die von Gästen aus aller Welt gerne besucht werden.