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wrackangeln

Meeresfische: Blauflossenthun (Thunnus thynnus)

  • Deutsch: auch Roter Thunfisch genannt.
  • Englisch: Bluefin Tuna, Northern Bluefin, Atlantic Bluefin, Giant Bluefin, Tunny
  • Französisch: Thon Rouge
  • Spanisch: Atun

Beschreibung:

Maximale Länge über drei Meter, Maximales Gewicht circa 900 Kilogramm, doch wegen Überfischung ist es unwahrscheinlich, dass solche Riesen im Moment existieren.

 

Lebenserwartung bis 20 Jahre ist bewiesen, bis 30 Jahre gilt als wahrscheinlich. Laichbereit in 5-8 Jahren. Stahlblaue Rückenpartie, silbergraue Flanken übergehend in silberfarbenen bis weißen Bauch, vom Unterbauch zum Schwanz hin mit grauen Flecken. Die Kielflossen sind schwarz. Die sieben kleinen Flossen an der Oberseite und Unterseite des Schwanzstiels sind gelb mit schwarzen Kanten.

Physiologie und Habitat

Der Blauflossenthun ist ein Mitglied der Scombridae (Makrelen- Arten) und gleichzeitig der größte seine Art. Er ist ein transozeanischer pelagischer Zugfisch.

 

Er ist in der Lage, den Atlantischen Ozean innerhalb von 40 Tagen zu durchqueren und obwohl er seine Beute in Tiefen bis zu 1000 Meter verfolgt, bevorzugt er die obersten 300 Meter.

 

Als Schwarmfisch besteht seine bevorzugte Beute auch aus Schwarmfischen, hauptsächlich kleineren Heringen und Makrelen sowie kleineren Thunfischen, verschiedenen Hornhechtarten und Tintenfischen. Auch Schellfisch, Wittling und verschiedene Dorscharten stehen auf dem Speiseplan.

 

Er hat einen großen Vorteil gegenüber seiner Beute, denn viele Scombridia und Thunfischarten sind in der Lage, ihre Bluttemperatur zu erhöhen, um ihren Stoffwechsel anzukurbeln. Dies erlaubt besondere Leistungen, z.B. wenn sie jagen oder auf der Flucht vor Räubern sind. Beim Blauflossenthun ist diese Veranlagung in extremem Maße vorhanden. Er kann sein Blut auf bis zu 21° C über die Umgebungs- Temperatur erhöhen, was ihm riesige Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten und Beute bietet.

 

Somit ist er einer der schnellsten Fische und kann Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h erreichen. Aber darüber hinaus ermöglicht sein schier zügelloses Stoffwechselsystem diesem Fisch eine sehr schnelle Erholung.

 

Das heißt, dass sich ein Angler während eines Drills auch keine Erholungspausen leisten darf, sonst geht das Spiel nach ein oder zwei Minuten immer wieder von vorne los, nur der Angler kann sich in dieser kurzen Phase unmöglich erholen.

 

Der Blauflossenthun nutzt die Vorteile seines Stoffwechsels voll aus. So wird er oft in warmen Strömungen am Rande kälterer Wassermassen und Strömungen angetroffen. Auf diese Weise kann er im wärmeren Wasser seine Wärmespeicher laden, um dann in den kälteren Regionen auf Beutejagd zu gehen.

 

Für den Atlantischen Blauflossenthun sind zwei Laichgebiete bekannt: Das Mittelmeer und der Golf von Mexiko.

 

Aufgrund des großen kommerziellen Interesses an dieser Art ist der Blauflossenthun Gegenstand vieler Untersuchungen und Studien. Trotzdem weiß man verhältnismäßig wenig.

 

Bis vor kurzem war es akzeptierte Meinung, dass zwei voneinander völlig getrennte Bestände im Atlantik existieren: Eine Population im Ostatlantik mit Laichgebiet im Mittelmeer und eine Population im Westatlantik mit Laichgebiet im Golf von Mexiko. In den letzten Jahren zeigte sich, dass die Fische den Atlantik viel öfter durchqueren als angenommen. Einige Fische, die in amerikanischen Gewässern markiert worden waren, wurden später im Mittelmeer wieder gefangen. Dies wirft ganz wesentliche Fragen auf, da im Moment kommerzielle Fischer von vermehrten Sichtungen berichten und die bisherigen Bestandsaufnahmen anzweifeln. Aber sieht oder zählt man die Fische 2 Mal, einmal im Westen und dann noch ein Mal im Ostatlantik?

 

Laichen die gleichen Blauflossenthune sowohl im Mittelmeer als auch im Golf von Mexiko? Verfolgen diese Fische vielleicht keinen Jahresrhythmus, sondern einen Rhythmus, der von Futterfischvorkommen bestimmt wird?

 

Diese Spezies birgt noch viele Geheimnisse.

So hat das momentane Thunfischvorkommen vor Nordwest- Irland im Spätsommer und Herbst auch die akademische Welt überrascht.

Die ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) wurde in den 60er Jahren gegründet, als man feststellte, dass die Thunfisch- und vor allem Blauflossenthunfisch- Bestände so schnell zurückgingen, dass sie in kurzer Zeit keine kommerzielle Fischerei aufrecht erhalten könnten. Erklärtes Ziel der Kommission ist es, die Bestände so zu führen, dass ein Maximum an Ernte aufrechterhalten wird. Zwar sind die Bestände nach ihrem Tiefstpunkt in der 80er Jahren dabei sich zu erholen, aber man geht davon aus, dass sich der Bestand auf etwa 20% des 1975 schon schwachen Vorkommens beläuft, ein deutliches Zeichen dafür, dass die ICCAT kläglich versagt hat.

Vorkommen

Der Blauflossenthun lebt im Atlantischen Ozean, dem Mittelmeer sowie im Pazifischen Ozean. Die Vorkommen im Atlantischen, sowie Pazifischen Ozean, sind von einander isoliert.

 

Die Verbreitungsgrade beider Arten liegen im Wesentlichen oberhalb des Äquators und so sind die beiden Bestände durch den amerikanischen Kontinent auf der einen und den eurasischen und afrikanischen Kontinent auf der anderen Seite getrennt. Obwohl physiologisch identisch sind beide Arten wegen dieser klaren Trennung als separate Bestände zu behandeln.

 

Im Südmeer gibt es eine weitere Art, den Southern Bluefin, der ein Höchstgewicht von etwa 150 kg erreicht. Sein Verbreitungsgebiet umspannt den Globus in den Südmeeren etwa zwischen dem 20. und 60. Grad südlicher Breite.

Meeresangeln auf Thun

Blauflossenthun haben schon solch berühmte Leute wie Ernest Hemingway auf die Probe gestellt. Die Fische, die bei der heute fast völlig Leergefischten Bahamas Bank lebten, bereiteten den dortigen Anglern allerhand Probleme. Erstens waren die Fische argwöhnisch und schwierig zu haken und zweitens war es ein sehr schwieriges Unterfangen, die Fische mit dem zur Verfügung stehenden Gerät auszudrillen - bis Hemingway beschloss, die Fische vom ersten Kontakt bis zur Landung sehr hart ranzunehmen und den Drill mit allen erlaubten Mitteln zu forcieren. Seine Erfolgsquote stieg, und diese Taktik wird auf den ganzen Weltmeeren auch heute noch praktiziert.

 

Vor dem ersten Weltkrieg bis in die 1950er wurden Blauflossenthun in der Nordsee vor Großbritannien und Skandinavien gefangen. Die meisten Blauflossenthun fallen auf Schleppköder herein. Die Schleppgeschwindigkeiten liegen zwischen 4 und 12 Knoten, je nach Revier und Schleppköder. Wer das notwendige Können hat, schleppt auch lebende oder tote Köderfische, meistens Makrelen oder kleine Bonito oder Ballyhoo.

 

Eine teilweise sehr erfolgreiche Methode ist, die Blauflossenthun anzufüttern und sie dann mit lebenden Köderfischen zu fangen. Tobt ein mehrere hundert Kilo schwerer Koloss an der Angel, bleibt wenig Zeit für Grundsatzdiskussionen, denn diese könnten unter Umständen zu gefährlichen bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

 

Es ist also notwendig, dass der Angler sich vor einem Strike mit dem Gerät und seiner Funktionsweise beschäftigt. Nach einem Biss geht alles rasend schnell und der Erfolg hängt direkt davon ab, dass die Mannschaft richtig und vor allem schnell handelt und reagiert.

 

Was jeder im Falles eines Strikes zu tun hat, sollte vorher besprochen sein: Wem steht der nächste Fisch zu? Wer holt welche Rute / Ruten ein und macht sie klar? Wohin werden sie verstaut? Übernimmt der Angler die Rute sofort nach dem Strike oder erst auf dem Stuhl?

 

Sind alle vereinbarten Dinge erledigt, ist die Hauptaufgabe der Mitangler, aus dem Weg zu bleiben. Ein Mann wird den Kampfstuhl so drehen, dass der Angler den Fisch immer direkt vor sich hat.

 

Besonders in der Anfangs- und Schluss- Phase des Drills ist es sehr wichtig, dass der Skipper klare Sicht auf den Angler und die Stelle, wo die Schnur eintaucht, hat.

 

Mindestens beim ersten Mal sollte der Fisch von einem Crewmitglied angeschlagen werden und die Angel vom Angler auf dem Kampfstuhl in Empfang genommen werden. Wer noch nie mit Gerät der 130 lb.- Klasse gefischt hat, wird in der Regel überrascht sein, wie viel Druck 25 lb. bis 30 lb. Bremskraft wirklich ist. Verängstigt an die Sache heranzugehen, ist auf keinen Fall nötig, aber Leichtsinn ist fehl am Platz.

 

Wenn Sie mit Stand-up-Geschirr angeln, sollten Sie die Bremse nach dem Strike mindestens beim ersten Mal auf etwa 10 lb. zurückschieben, bevor Sie die Angel aus der Halterung herausnehmen.

Gerät

Ist ein Kampfstuhl an Bord, kann man mit IGFA-130 lb.- Geschirr angeln. Der Stuhl sollte vor Beginn der Angelfahrt entsprechend eingestellt werden. Fehlt ein Kampfstuhl, muss man mit "Stand- up-" Geschirr den Kampf aufnehmen.

 

Mit Stand- up- Geschirr ist man beweglich, was vorteilhaft ist, vor allem wenn mehrere Fische gleichzeitig im Drill sind. Die Hebelwirkung einer Angelrute arbeitet eigentlich gegen den Angler. Ihre Eigenschaft als Stoßdämpfer, vor allem beim Angeln auf starke Fische wie Blauflossenthun, ist aber ausgesprochen wichtig. Aus diesem Grund sind Stand- up- Ruten verhältnismäßig flexibel und kurz, maximal 1.80 m, manchmal nicht mehr als 1,50 m. Diese kurzen Ruten sind ausgezeichnet, vor allem wenn man mit einer sehr stark eingestellten Bremse arbeitet.

 

Die "Strike-" Bremse sollte mit 25 lb. eingestellt sein. Die Zweigang- Multirolle sollte ein Minimum von 800 m 80 lb. bis 100 lb. geflochtene Schnur fassen. Es ist zweckmäßig, (aber gegen IGFA Regeln) ein so genanntes "Top Shot", 100 m 200 lb.- Monofil, als Vorfach zu benutzen.

 

Wenn man Dacron als Hauptschnur benutzt, kann man dieses Vorfach direkt splissen, indem man es 1-2 m in die Dacron hineinfädelt und mit halben Schlägen aus Zahnseide und Sekundenkleber sichert. Oder man kann mit herkömmlicher geflochtener Schnur eine Dacronschlaufe zur Spliss- Befestigung herstellen.

 

Mit einem 200 lb.- Vorfach ist es am zweckmäßigsten, den großen Kugelgelagerten Wirbel mit ein oder zwei Quetschhülsen zu sichern. Als Hauptvorfach hat sich 5m 300 lb.- Fluorocarbon mit einem großen "Circle-" Haken vielerorts bewährt. Auch dieses Vorfach sollte man sicherheitshalber mit Quetschhülsen herstellen. Haken: Circle- Haken setzen sich fast immer im Mundwinkel fest und halten bombenfest. Trotzdem sind sie relativ leicht zu lösen und "Catch and Release" ist beim Blauflossenthun meistens angesagt. Ist die Bootsmannschaft bezüglich Angelgerät, Vorfächern oder sonstigen Zusammenstellungen anderer Meinung, sollte man unbedingt ihren Ratschlägen folgen.

Irland

Das Blauflossenthun- Vorkommen vor Nordwest- Irland ist natürlich besonders interessant, weil es erst jetzt erschlossen wird. So kamen, während dieser Bericht geschrieben wurde, erste Meldungen, dass Blauflossenthun auch weiter südlich, in der Nähe von Achill Island, gesichtet worden sind und es wird ein Versuch gestartet, dort Fische zu fangen.

 

Von Heringshaien abgesehen, bietet die Westküste Irlands die einzige reale Chance, wahrhaftige Big- Game- Fische in Nordeuropa mit einem eher nordeuropäischen Geldbeutel zu fangen. Es zeichnet sich ab, dass Irland einer der wenigen Plätze der Welt ist, wo sich gezieltes Angeln auf diese großartigen Fische rentiert.

 

Anderenorts im Ost- Atlantik ist das Antreffen der größten und mächtigsten Thunart eher zufällig. Allerdings kann man in Irland nicht auf sehr viel Beifang hoffen, höchstens beim Driften und Anfüttern kann man zum Zeitvertreib evtl. andere Arten mit leichtem Geschirr erwischen.

 

Autor: Robert Langford.