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wrackangeln

Angelhaken im Bauch

Angeln in Aqaba
Angeln in Aqaba

Urlaub in Jordanien, das bedeutet Besichtigung der Felsenstadt Petra, der Römerstadt Jerash, Kreuzfahrerburgen und anderer sehr interessanter historischer Städte und auch das Kennenlernen von beeindruckenden Wüstenlandschaften.

Jordanien liegt aber auch am Meer. Zugegeben es sind nur 40 Kilometer Küstenlänge, trotzdem reicht es um mal die Angel auszuwerfen. Und so stand ich eines Vormittag Ende November am Ufer einer gepflegten Hotellandschaft, direkt am Roten Meer. Wenige hundert entfernt lag die jordanisch-israelische Grenze und am gegenüberliegenden Ufer Ägypten. Vor mir, nur wenige Kilometer entfernt, am Schnittpunkt der drei Grenzen lag ein Schiffswrack, schwimmfähig, verrostet und sicher verankert.

Wie auch immer, ich marschierte mit meiner Reiseroute von Shimanoo, drei Meter lang mit einem Wurfgewicht 15-40 Gramm und einer Rolle der Größe, dünner geflochtener Schnur und einigen Blinkern von etwa 20 bis 30 Gramm auf einem Steg von dem auch die hoteleigenen Boote lagen und machte einige Würfe aufs Wasser. Nach wenigen Minuten kam bereits der erste Biss. Ein wilder kleiner Räuber von etwa 30 Zentimetern Länge, ein silbriger Fisch mit einem ausgeprägten unterständigem Maul, hatte sich auf den Blinker gestürzt. Er blieb nicht der Einzige, sieben oder acht weitere Räuber stürzten sich nach und nach auf den Köder und wurden zurückgesetzt.

Blick auf Aqaba
Blick auf Aqaba

Meine Angelei erregte zudem das Interesse von einiger Jungs von etwa 11-12 Jahren, die natürlich auch gerne einmal die Angel auswerfen wollten. Nach einer Weile angelte ich dann selber weiter und führte den Blinker, wie vorher schon, nahe an der Oberfläche. Durch die Unterhaltung mit den Kindern abgelenkt, passierte mir ein dummer Fehler. Beim ruckweisen Einholen des Blinkers durchbrach dieser die Wasseroberfläche und schoss auf mich zu: Direkt in mein Hemd. - Gut das der Blinker nicht die Kinder getroffen hatte, war mein erster Gedanke.

 

Der Angelhaken muss wieder raus
Der Angelhaken muss wieder raus

Und der zweite Gedanke war: Das Hemd ist wohl hin, aber ansonsten kein Problem und wollte den Haken lösen. Aber es ging nicht so recht. Erst in dem Moment bemerkte ich, dass der Haken im Bauch steckte. Es blutete fast nicht, es tat nicht weh, aber rausziehen war nicht: Eine Hakenspitze des Drillingshaken war mitsamt des Widerhakens tief in den Bauch eingedrungen. Ich schaute mir die Sache an, überlegt, aber es war nichts zu machen, ich musste mir irgendwie helfen lassen. Also schnitt ich die Schnur durch, packte meine Angelutensilien zusammen und deponierte sie am Rande des kleinen Bootshauses, der sich am Steg befand und machte mich auf den Weg zur Rezeption. Unterwegs begegnete ich einem Guest-Relation- Manager, der mich sehr mitfühlend zur Rezeption begleitete. Dort traf ich auch noch einen Kollegen aus unserer Gruppe, der beim Anblick des Hakens im Bauch fast in Ohnmacht fiel.

Die "Operation"
Die "Operation"

Vom Rezeptionspersonal wurde ich gefragt, ob ich ins Krankenhaus fahren wolle oder ob ein Arzt ins Hotel kommen soll. Ich entschied mich für die zweite Variante, bat aber darum mir eine Kneifzange zu besorgen, was auch schnell klappte und auch auf den Arzt musste ich nicht lange warten.Der Arzt ging mit mir in mein Hotelzimmer und schaute sich dort die Sache genauer an. Er verstand augenscheinlich nicht, dass man den Haken weiter durchs Fleisch ziehen müsse, da ein Rausziehen wegen des Widerhakens unmöglich ist. Also machte ich die „Hauptarbeit“ lieber selber., was kein Problem war. Merkwürdigerweise hatte ich die ganze Zeit keinerlei Schmerz gespürt. Und so ich mich dran den Haken weiterzuziehen, etwas verkrampft, weil ich jeden Moment mit spürbaren Schmerzen rechnete, aber dieser hielt sich in engen Grenzen. Nach kurzer Zeit war die Sache für mich erledigt, die Hakenspitze mitsamt Widerhaken kam raus, ich legte mich zurück und d er Arzt knipste den Haken ab, desinfizierte die Wunde, klebte ein Pflaster drüber und gab mir eine Tetansuspritze.

Das wars.